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Dr. med. Anke Groß
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Die Systemische Therapie nach Bowen (Bowen Family Systems Theory)

Die Systemtheorie nach Bowen ist eine Theorie menschlichen Verhaltens, welche die Familie als emotionale Einheit betrachtet und deren komplexe Interaktionen mittels systemtheoretischen Denkens beschreibt. Entwickelt wurden diese Theorie und ihre acht zusammenhängenden Konzepte von Dr. Murray Bowen (1913-1990), Professor für Klinische Psychiatrie und Gründer des Georgetown Family Center in Washington D.C., USA. Bowen ging davon aus, dass menschliche Beziehungssysteme von einem emotionalen System gelenkt werden, das sich im Laufe von Jahrmillionen formte. Daraus folgerte er: Wer dessen Mechanismen entschlüsselt, gewinnt wertvolle Denkansätze, um die Probleme in der Familie, am Arbeitsplatz oder in jeder anderen sozialen Situation in einer neuen Perspektive zu sehen und Lösungen zu entwickeln.

Die Familie als „emotionales Feld“
In jeder Familie sind die Mitglieder emotional eng miteinander verknüpft: Sie suchen gegenseitige Aufmerksamkeit, Anerkennung, Unterstützung und reagieren auf gegenseitige Bedürfnisse, Erwartungen, Enttäuschungen. Jede Veränderung im Funktionsniveau eines Familienmitglieds wirkt sich auf das Funktionsniveau der anderen aus. Das Funktionieren eines Familienmitglieds ist daher vom Funktionieren der anderen Mitglieder abhängig. In Gegenwart wirtschaftlicher, sozialer oder psychischer Stressfaktoren erhöht sich der Druck auf das Familiensystem, bis eines der Mitglieder diesem Druck schließlich nachgibt: Es absorbiert die Ängste im System, indem es sich überfordert fühlt, sich isoliert oder außer Kontrolle gerät. Damit wird es besonders anfällig für die Entwicklung klinischer Symptome wie depressivem oder süchtigem Verhalten oder körperlichen Erkrankungen.

Die Bedeutung der Systemtheorie
Die Therapiestunde dient dazu, eigenes Denken zu entwickeln und durch die Arbeit am Selbst im Kontext sozialer Beziehungen neue Entwicklungsprozesse zu initiieren. Zunächst sammelt der Therapeut ausführliche Informationen über drei Generationen der Familie: Nur so lässt sich das Familiensystem des Klienten als Ganzes verstehen. Die acht Konzepte von Bowen dienen ihm als „Navigationssystem“ beim Beleuchten der intrafamiliären Prozesse, geben aber auch dem Klienten eine Orientierung beim Erreichen dieser Ziele:

Die Therapiestunde dient also dazu, eigenes Denken zu entwickeln und durch die Arbeit am Selbst im Kontext sozialer Beziehungen neue Entwicklungsprozesse zu initiieren.

Selbstbeobachtung erweitert den Denk- und Handlungsspielraum
Der Klient lernt zunächst, die automatischen emotionalen Reaktionen zu beobachten, die in jedem Beziehungssystem ablaufen, etwa ein bestimmter Gesichtsausdruck, eine Sprechweise oder eine Bewegung. Die meisten dieser Reaktionen entziehen sich unserem Bewusstsein. Je intensiver der Klient die Signale wahrnimmt, umso besser kann er erkennen, welche Rolle er selbst in diesem System spielt: Welche Signale sende ich aus? Wie reagiert das System darauf? Mit diesem systemischen Wissen sind die eigenen Reaktionen weniger emotional gesteuert: Sie können durchdacht und den bestehenden Prozessen individuell angepasst werden.

Veränderungen im Individuum verändern das gesamte System
Mit seinem Wissen um sich Selbst kann sich der Klient anders als bisher in der Familie verhalten. Der Klient lernt, dem emotionalen Gegendruck des Systems zu widerstehen und eine ausgewogene, neutrale und feste Grundposition zu vertreten. Dadurch verändern sich auch die klinischen Symptome der betroffenen Person oder der gesamten Familie. Das emotional neutrale Verhältnis für bestimmte Situationen und Verhaltensmuster ist also eine wesentliche Grundlage für Veränderungsprozesse im ganzen System.

Zum Weiterlesen: „Die Bowen'sche Familiensystemtheorie“ (pdf zum download)


“You can’t control a whole damn family, but you can control you. And anytime you can control you with it, the family is a healthier organism. So that is a reason to become a self. The more you can become a self, the healthier to family and to your advantage.”
Murray Bowen